30.06.+01.07.2018.Weiterstadt – Studienprogramm Lamrim ~ Weisheit entwickeln – Der Mittlere Weg (Madhyamaka) Teil 2

Thema des 2. Lamrim Wochenendes über die Vollkommenheit der Weisheit 2018:
“Alle Dinge haben zwei Seiten – konventionelle und endgültige Realität”
Unterweisung von Ven. Dr. Birgit Schweiberer (Getsulma Losang Drime)

In unserem letzten Wochenende vor der Sommerpause ging es weiter mit der „Vollkommenheit der Weisheit“.
Ehrw. Dr. Birgit Schweiberer (Losang Drime) sprach zu Beginn eindringlich über
den Geistesfaktor Unwissenheit, der im geistigen Bewusstsein vorhanden ist und
den es zu überwinden gilt. Dieser Geistesfaktor Unwissenheit ist nicht ein bloßes
NICHT-Wissen, sondern ein AKTIVES – Fehlwissen: Demnach findet nicht nur
ein Nichtwissen über die Realität, sondern ein hin projizieren auf die Realität statt.
Diese Unwissenheit beeinflusst unser Bewusstsein in Bezug auf Phänomene
insofern, dass es auf jedes einzelne Phänomen Eigenexistenz,sprich inhärente Existenz, zuschreibt.

Das ist die Natur der Unwissenheit! Die Funktion der Unwissenheit ist das, was
uns die eigentlichen Probleme bereitet! Sie ist die Wurzel des Daseinskreislaufs.
In diesem Zusammenhang gab Chöla Birgit erneut bedeutsame Erklärungen
zu den „Zwölf Gliedern des Abhängigen Entstehens“; denn durch die Wurzel
allen Leidens (Unwissenheit), gehen Taten hervor und die bringen somit alle Manifestationen des Daseinskreislaufs hervor. Eleminieren wir die Wurzel von Samsara, endet der Daseinskreislauf.

Weiterhin folgten ausführliche Erklärungen zur Leerheit der Person an Hand
den Texten von Chandrakirti (7. Jahrhundert) aus dem zweiten Teil des
Madhyamakavatara, (tib.: dbu ma la ‘jug pa; „Eintritt in den Mittleren Weg“).
Hier heißt es, dass die Wurzel aller Probleme eine falsche Vorstellung von
inhärenter Existenz (vor allem) der Person ICH ist.

„Nachdem er erkannt hat,
dass alle Verblendungen und Fehler
aus der Ansicht der vergänglichen Ansammlung entstehen,
und dass deren Objekt das/ein Selbst ist,
widerlegt ein Yogi ein Selbst mit (analytischem) Verstand.“ [6.120]

Die „Ansicht der vergänglichen Ansammlung“ ist eine Unwissenheit, die sich auf
die Person ICH (und MEIN) bezieht und beinhaltet immer eine falsche Vorstellung
von inhärenter Existenz. Allen fühlenden Wesen ist das angeborene Festhalten
am Selbst gemeinsam; das ist die Wurzel von Samsara, aller Fehler und allen
Leidens und der Ursprung aller Verblendungen.

Mit Hilfe einer hervorragenden Präsentation wurden an Hand von Versen, Bildern
und Aufteilungen erneut tiefgehende Begründungen zum Nachweis der Leerheit
von inhärenter Existenz sehr eindrücklich und effizient beleuchtet.

So endete bei sommerlichen Temperaturen ein weiteres unvergessliches und wunderbares Wochenende mit unserer geschätzten Lehrerin, die mit großer
Geduld und Humor die vielen Begründungen der Leerheit immer wieder neu
erklärt und uns jedes Mal ein Stückchen näher bringt.

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