15. u. 16.09.2018 – Weiterstadt – Studienprogramm Lamrim ~ Weisheit entwickeln – Der Mittlere Weg (Madhyamaka) Teil 3

Thema des 3. Lamrim Wochenendes über die Vollkommenheit der Weisheit 2018:  Methoden, die die Leerheit nachweisen – Die siebenfache Beweisführung

Unterweisung von Ven. Dr. Birgit Schweiberer (Getsulma Losang Drime)
An diesem sonnigen Spätsommerwochenende ging es um die siebenteilige Begründung, die Teil der Methode ist, um die Leerheit (Abwesenheit) von unabhängiger Bestehensweise aufzudecken.

Ehrw. Dr. Birgit Schweiberer (Losang Drime) fasste als Einstieg das Thema des letzten Wochenendes nochmals kurz zusammen: Wir nehmen unsere Umgebung als objektiv wahr, müssen allerdings bei genauerer Analyse erkennen, dass die Welt nur so erscheint. Somit ist Unwissenheit die Erscheinung, die an inhärente Existenz glaubt und bereitet damit als Wurzel falscher Ansichten vielfältige Probleme.

Um diese Probleme zu vermeiden, benötigen wir Weisheit, denn die Weisheit bietet uns Gegenmittel zu falschen Ansichten. Und um zur Weisheit zu gelangen, brauchen wir eine Methode, um die Leerheit von inhärenter Existenz nachzuweisen. Damit können wir unseren Geist schulen, das Wahrgenommene nicht als unabhängig existent aufzunehmen.

Unter den Begründungen, durch welche die Leerheit von inhärenter Existenz erwiesen wird, ist die siebenteilige Begründung die ausführlichste Methode. Sie ist eine der Methoden, die die Aspekte von Identität und Differenz bezüglich Phänomenen, aber besonders auch im Hinblick auf Personen untersucht.

Als Gegenstand der Untersuchung wurden ein Wagen oder auch eine Person herangezogen, die das beobachtete Objekt darstellen. Daraus ergab sich das Objekt der Verneinung, nämlich die unabhängige Existenz eines Wagens oder einer Person – das Bezugsobjekt der verkehrten Vorstellung.

Mit einer Fülle an Beispielen und gedanklichen Bildern brachte uns unsere geschätzte Lehrerin die sieben Begründungsmöglichkeiten nahe, durch die widerlegt werden kann, dass Phänomene und Personen unabhängig existieren. Z.B. ist der Wagen nicht mit seinen Teilen identisch, sondern erhält seine Funktion in Abhängigkeit von den Teilen. Ebenso ist eine Person nicht mit ihren Organen und übrigen Bestandteilen identisch, sondern funktioniert in Abhängigkeit von ihnen.

Durch die Analyse erkennen wir also, dass die Identifikation eines Phänomens oder einer Person bloß zugeschrieben ist auf all ihren Aspekten. Diese Erkenntnis bedeutet nicht, dass eine Person etwa gar nicht existiert, sondern sie existiert abhängig von Ursachen, Grundlagen/Teilen und Zuschreibung. Sie existiert anders als sie erscheint, nicht wahrhaft, wie eine Illusion.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass durch den Nachweis der Leerheit von unabhängiger Existenz Weisheit entsteht und Weisheit das Gegenmittel zu Verblendungen darstellt. Dieses Gegenmittel wiederum benötigen wir, um Hindernisse zu überwinden.

So endete ein intensives Wochenende, in dem unser logisches Denken aufgrund der Analysemethoden durchaus herausgefordert, aber von unserer wunderbaren Lehrerin mit einem Höchstmaß an Geduld und Humor wirkungsvoll präsentiert wurde. Auf diese Weise eröffnete sich uns erneut die Möglichkeit ein bisschen mehr Weisheit zu entwickeln.